„Heute machen wir mal was anderes“ — 150 Jahre Feuerwehr Lehrte im Kurt-Hirschfeld-Forum
Am Samstag, dem 29. August 2026, war es endlich so weit. Nachdem wir in unserem großen Jubiläumsjahr bereits einige Highlights feiern durften, stand am vergangenen Wochenende der offizielle Festkommers im Kurt-Hirschfeld-Forum an. Rund 200 Gäste aus dem gesamten Brandabschnitt sowie befreundete Organisationen kamen zusammen, um gemeinsam auf eineinhalb Jahrhunderte zurückzublicken.
Kein Rednerpult, sondern ein Sofa
Wer langatmige Reden und starre Protokolle erwartet hatte, wurde positiv überrascht. Unter dem Motto „Heute machen wir mal was anderes“ haben wir den Kommers bewusst modern gestaltet. Statt klassischer Ansprachen leitete ein Eröffnungstrailer den Nachmittag ein — noch bevor das erste Wort fiel, lief auf der Leinwand ein Film, der 150 Jahre in weniger als einer Minute erzählt.
Im Tandem führten Ortsbrandmeister Marc Wilhelms und Gruppenführerin Sabrina Meine-Marnitz durch das Programm. Statt am Rednerpult nahmen die Akteure auf der Bühne Platz und kamen ins Gespräch. Das Konzept setzte auf Persönlichkeit: keine Zahlenkolonnen, sondern die Menschen, die hinter dem Ehrenamt stehen, und ihre Geschichten.
Ganz ohne Grußworte ging es dann doch nicht — und das war auch gut so. Bürgermeister Frank Prüße und Stadtbrandmeister Hendrik Voges fanden zum Auftakt Worte, die zeigten, welchen Stellenwert diese Wehr in Lehrte hat.
Sechs Blöcke, ein Bogen über 150 Jahre
Die Themenblöcke spannten einen Bogen von den Anfängen bis in die Zukunft.
1876 sicherten 36 Freiwillige mit einer einzigen Handdruckspritze und geliehenen Pferden ein Lehrte, das noch von Strohdächern geprägt war. Gegründet wurde die Wehr am 27. November jenes Jahres — nicht nach einem Großbrand, sondern an dem Tag, an dem die Statuten fertig waren. Erster Hauptmann war F. R. Rust.
Von dort ging es weiter durch die Technikgeschichte: die erste Motorspritze 1933, die erste UKW-Funkstation einer Freiwilligen Feuerwehr in Niedersachsen im Jahr 1956 unter dem Rufnamen „Florian Lehrte“, 1962 als erste Wehr im Land mit Funkalarmempfängern — bis zum heutigen 18-Tonnen-Hilfeleistungslöschgruppen- fahrzeug mit Hydraulikrettungssatz.
Es ging um die Einsätze, die bis heute nachwirken, und um den Magirus Award 2016, mit dem die Wehr als bestes Team unter Deutschlands Freiwilligen Feuerwehren ausgezeichnet wurde. Es ging um das Ehrenamt im Gespräch mit Kommunalpolitik. Und zum Schluss um die Frage, wie die Feuerwehr im Jahr 2076 aussehen wird — gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Heike Köhler und Thordies Hanisch.
Zwei weitere Jubiläen liefen mit: 75 Jahre Altersabteilung und 75 Jahre Jugendfeuerwehr Lehrte, gegründet 1951 mit drei ausgemusterten Handdruckspritzen und einer Gruppe Schüler.
174 Menschen, null Euro Lohn
Eine Zahl blieb an diesem Nachmittag besonders hängen: 325 Einsätze im Jahr 2025. 174 Mitglieder, davon 85 in der Einsatzabteilung, 39 in der Jugendfeuerwehr, 38 in der Kinderfeuerwehr und 12 in der Altersabteilung. Bezahlung: keine. Verpflichtung: keine. Genau das ist das Modell, das diese Stadt seit 150 Jahren absichert — nachts um drei, an Weihnachten, wenn der Orkan kommt.
Gäste aus Stadt, Land und Patenstadt
Unter den rund 200 Gästen durften wir unter anderem Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße, Mitglieder des Stadtrates, Brandschutzabschnittsleiter Tobias Jacob sowie eine Abordnung aus unserer Patenstadt Staßfurt begrüßen. Auch die Kameradinnen und Kameraden des THW, des DRK sowie der umliegenden Wehren aus Lehrte, Burgdorf, Sehnde und Uetze feierten mit uns.
Torte, Törtchen und ein langer Abend
Zur Halbzeit, nach dem Block über die Technikgeschichte, wurde es kurz feierlich: Ortsbrandmeister Marc Wilhelms schnitt die Geburtstagstorte an. Danach ging es in die Pause — bei Kaffee, Donuts und kleinen Törtchen, bewusst als Happen für zwischendurch gedacht, damit man im Stehen ins Gespräch kommt, statt am Tisch sitzen zu bleiben. Das hat funktioniert: Das Foyer war voll, und pünktlich weiterzumachen fiel schwer.
Am Abend ließen wir den ereignisreichen Tag schließlich gemeinsam bei einer Feier im Feuerwehrhaus an der Schützenstraße ausklingen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Gästen für ihr Kommen, für die starke Unterstützung durch Rat und Stadt sowie bei allen Beteiligten, die diesen besonderen Rahmen mit so viel Herzblut mitgestaltet haben.
Und jetzt: die Geschichten im Einzelnen
Ein Nachmittag reicht nicht, um 150 Jahre zu erzählen — ein Artikel erst recht nicht. In den kommenden Wochen veröffentlichen wir deshalb hier zu jedem Themenblock einen eigenen Beitrag, jeweils mit dem Film, der dazu auf der Leinwand lief. Den Anfang macht die Gründungsgeschichte: 1876, 36 Freiwillige, eine Handdruckspritze.






